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Arschlxxxxr im Auto

Wenn man morgens allein im Auto sitzt, passiert etwas Merkwürdiges. Der Motor brummt. Die Straße zieht vorbei. Und plötzlich ist man nicht mehr allein. Da sitzen noch andere mit im Wagen. Unsichtbar. Laut. Zäh. Viele nennen sie innere Dämonen. Andere würden sie weniger freundlich als Arschlöcher bezeichnen.

Diese Gestalten reden ununterbrochen. Einer kommentiert jede Entscheidung aus der Vergangenheit. Ein anderer malt düstere Bilder von der Zukunft. Da ist der Antreiber, der Gas gibt, obwohl der Tank leer ist. Daneben hockt der Zweifler, der ständig fragt, ob das alles überhaupt Sinn hat. Und irgendwo auf der Rückbank sitzt der alte Kritiker, der alles besser weiß und nichts vergisst. Keiner von ihnen greift ins Lenkrad. Aber alle reden durcheinander. Besonders dann, wenn es still ist.

Interessant ist, woher sie kommen. Viele dieser Stimmen sind alt. Sie klingen nach früheren Situationen, nach Erfahrungen, nach fremden Erwartungen. Manche haben einmal eine Funktion gehabt. Sie wollten schützen, antreiben oder ordnen. Im Auto auf dem Weg zur Arbeit haben sie heute vor allem Zeit. Keine Ablenkung. Kein Gespräch. Nur Strecke und Gedanken. Also reden sie. Über Projekte. Über Fehler. Über das, was hätte anders laufen können.

Am Ende der Fahrt steigt man aus. Die Stimmen bleiben zurück. Oder werden leiser. Der Parkplatz ist da. Der Motor aus. Die Tür geht auf. Für einen Moment ist klar: Das waren keine Beifahrer aus Fleisch und Blut. Es waren Gedanken in Bewegung. Mitgefahren. Ausgestiegen. Bis zur nächsten Fahrt.

 

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